Schäferinnen und Schäfer auf Rückkehr des Wolfes vorbereiten

NABU und LSV präsentieren zum Projektabschluss nach zwei Jahren ihre Erfahrungen und Empfehlungen für den Herdenschutz in Baden-Württemberg

Stuttgart – Bei der Abschlusstagung zum Kooperationsprojekt „Herdenschutz in der Praxis“ in Baiersbronn haben Naturschutzbund (NABU) und Landesschafzuchtverband (LSV) erste Erfahrungen und Empfehlungen für die Praxis des Herdenschutzes speziell in Baden-Württemberg vorgestellt. Mit der Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg rückt der Schutz von Weidetieren wie Schafen und Ziegen vor Wolfsübergriffen stärker ins Blickfeld. „Um sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten, müssen sich Weidetierhalterinnen und -halter bei uns mit den Möglichkeiten des Herdenschutzes vertraut machen“, sagt der LSV-Vorsitzende Alfons Gimber.

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Um herauszufinden, wie Weidetiere möglichst effektiv vor Angriffen durch Wölfe, aber auch vor Luchsen und wildernden Hunden geschützt werden können, hatten NABU und LSV vor zwei Jahren ihr gemeinsames Projekt gestartet. Das Ziel: Zäune, Elektronetze und Herdenschutzhunde unter den besonderen baden-württembergischen Bedingungen zu testen und Erfahrungen zu sammeln. „Die Weidetierhaltung und die Wanderschäferei sind in Baden-Württemberg jahrhundertealte Traditionen. Ihr Erhalt ist kulturell, sozial und naturschutzfachlich enorm wichtig. Dazu wollen wir beitragen“, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Die zur Tagung vorgestellte Abschlussbroschüre geht auf die besondere Situation im badisch-schwäbischen Wolfserwartungsland ein und zeigt auf, wo beim Herdenschutz noch Nachholbedarf und offene Fragen bestehen.



„In Ländern wie Rumänien und Bulgarien waren Wölfe nie ausgerottet, in Brandenburg und Sachsen sind sie wieder heimisch. Von diesen Erfahrungen können wir heute profitieren“, erklärt Enssle. Doch die Erfahrungen von dort lassen sich nicht 1:1 auf Baden-Württemberg übertragen. „Baden-Württemberg stellt mit seinen vielen kleinräumigen Mittelgebirgslagen, der hohen Siedlungs- und Verkehrsdichte und der Wanderschäferei besondere Anforderungen an den Herdenschutz“, stellt Gimber fest.



Die drei Testbetriebe – die Schäfereibetriebe Schaible aus Aidlingen und Voigt aus Michelbach sowie der Windberghof in St. Blasien mit seinen Milchziegen – berichteten in Baiersbronn von ihren Erfahrungen. Verschiedene Zaunvarianten wurden auf dem Baiersbronner Schäfereibetrieb Frey getestet und konnten von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung besichtigt werden.



„Aus Wolfsregionen wissen wir: Elektrozaun und Herdenschutzhund versprechen in der Kombination den besten Erfolg. Das ist aber nicht überall so leicht umsetzbar. Außerdem sind die Herausforderungen für den Einsatz von Herdenschutzhunden groß, da die Hunde erst in die Herde integriert werden müssen und den Schäferinnen und Schäfern im täglichen Handling viel Einsatz abverlangen“, erklärt Gimber. „Den Schafen, die in der Regel nur Hütehunde kennen, ist es nicht geheuer, dass dieser spezielle Hunde nicht Feind sondern Freund ist. Mancher Hund hat am Anfang darunter gelitten, nicht gleich den Anschluss an die Herde zu finden.“ Die Eingewöhnung brauche viel Zeit und den vollen Einsatz des Schäfers.



Auch der Einsatz von Zäunen und Netzen wurde getestet. „Ein Herdenschutzzaun darf von Wölfen weder untergraben noch übersprungen werden. Die Spannung muss so hoch sein, dass der Wolf keinen zweiten Versuch wagen wird“, erläutert Schäfer Frey. In der Schaf- und Ziegenhaltung sowie von Wanderschäfereien werden häufig mobile Netze eingesetzt. Sie sind flexibel und leicht, erreichen im Praxisalltag aber nicht immer die notwendige Spannung. „Hier sind wir mit den Zaunherstellern im Gespräch, um die Netze weiterzuentwickeln“, sagt Gimber.



„Mit dem Projektabschluss ist ein erster wichtiger Schritt getan. Jetzt muss der zweite folgen“, stellt der NABU-Landesvorsitzende Enssle fest. Es gebe noch eine Vielzahl offener Fragen, die in einem zweiten Projekt zu klären sind. „Für die Weiterführung des Projekts hoffen wir auf die erneute finanzielle Unterstützung des Landes. Wir sind schon ein gutes Stück des Weges gegangen, aber noch nicht da, wo wir hinmüssen, damit wir Schäferinnen und Schäfer gut vorbereitet sind“, ergänzt der LSV-Vorsitzende.

Informationen für den Hintergrund:

Die Abschlussbroschüre „Herdenschutz in Baden-Württemberg – Erste Erfahrungen und Empfehlungen für die Praxis“ finden Sie unter: Information/Download

 

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Erstellt: AW 21.09.2017

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