Wissenswertes zur Schafhaltung in Baden-Württemberg


Schafbestand:

EU: 97,7 Mio. (2013), Deutschland: 1,57 Mio. Schafe (2016), 10.600 Schafhalter, Baden-Württemberg ca. 215.500 Schafe, hinsichtlich Schafzahl nach Bayern an 2. Stelle in Deutschland, ca. 1.300 Schafhalter mit 20 und mehr Schafen, davon ca. 110 hauptberufliche Schafhalter und ca. 15 Wanderschäfer. Rückgang der Schafhaltung in den letzten 10 Jahren um 30 %.

 

Haltungsformen:

Wanderschafhaltung:
Schafherden ziehen entsprechend der Vegetationszeit auf verschiedene Weidegebiete. Sommerweide: Streuobstwiesen, Mager- und Trockenrasen (Schwäbische Alb, Schwarzwald, Hohenlohe) Herbst- und Winterweide in klimatisch günstigeren Gebieten (Rheintal, Bodenseeraum, mittleres/ oberes Neckartal mit Seitentälern).

Standortgebundene Hütehaltung:
Schafe werden während der Wintermonate im Stall gehalten, im Frühjahr, Sommer und Herbst auf näherliegenden Flächen gehütet.

Koppelschafhaltung:
Nutzung von Restgrünland in landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben.

Hobbyhaltung:
Kleinere Herden, wirtschaftliche Bedeutung gering.

 

Rassen:

Merinolandschafe
Stärkste Rasse mit ca. 70 % des Gesamtschafbestandes, besonders für die Hütehaltung geeignet (robust, widerstandsfähig, marsch- und pferchfähig), asaisonaler Brunstzyklus, d. h. Lammungen sind nicht an eine Saison (Frühjahr) gebunden, sondern zu jeder Jahreszeit möglich. Gute Bemuskelung, qualitativ hochwertige Wolle (Merinowolle).
Ausführliche Beschreibung

Fleischschafrassen
z.B. Schwarzkopf, Texel, Suffolk vermehrt in der Koppelschafhaltung eingesetzt, begrenzt auch in der Hütehaltung (sehr gute Schlachtkörperqualität, aber saisonale Lammung).
Ausführliche Beschreibung

Landschafrassen
Z. B. Heidschnucken, Fuchsschafe, Milchschafe in der Regel in kleineren Haltungen zu finden, wobei Milchschafe gemolken werden (pro Laktation ca. 450 kg Milch mit hohem Fett- und Eiweißgehalt). Neben Trinkmilch wird auch Käse und Joghurt produziert. Landschafrassen sind weniger stark bemuskelt und haben ebenfalls saisonale Lammzeiten (Frühjahr). Neben Reinzucht auch häufig Kreuzungszucht (Merinolandschaf x Fleischschafbock) mit dem Ziel, marktgerechte Schlachtlämmer zu erzeugen.
Ausführliche Beschreibung

 

Lammfleisch:

Schmackhaftes, zartes, auf natürliche Weise erzeugtes gesundes Fleisch (Weidelämmer). Vielseitige Zubereitung (Braten, Grillen, Sud). Pro-Kopf-Verbrauch nur rund 1 kg in Deutschland (Griechenland z. B. 14 kg). Vermarktung über Handel, Erzeugergemeinschaften oder Direktvermarktung vom Schafhalter an Endverbraucher. Häufig unter der Marke „Württemberger Lamm“ verkauft. Lebendgewicht schlachtreifer Lämmer 40-45 kg, Alter 4-7 Monate, Schlachtkörper vollfleischig mit geringer Fett-abdeckung. Selbstversorgungsgrad in der Bundesrepublik bei Lammfleisch 50 %.

 

Wolle:

Ca. 4-5 kg „Schweißwolle“/Schaf. Schurtermin März bis Mai, seit 1990 völliger Preisverfall bei Wolle: Statt früher 1,80 - 2,30 Euro/kg heute nur noch 0,50 - 1,20 Euro/kg je nach Qualität (Farbe, Feinheit, Ausgeglichen-heit). Schurkosten pro Schaf - ca. 3,80 Euro - oft höher als Wollerlös. Vermarktung der Wolle über Wollaufkäufer. Selbstversorgungsgrad in der Bundesrepublik ca. 5 %, 95 % sind Importwollen.

 

Wirtschaftliche Situation:

Ca. 39 % der Markteinnahmen in der Schafhaltung stammen vom Lamm-fleisch-, nur ca. 2 % aus Wolle- und Fellverkauf und 59% aus der Landschaftspflege. Lammfleischpreise aufgrund politischer Rahmenbedingungen (EU, GATT) relativ niedrig, z. Zt. bei ca. 2,00 – 2,40 Euro/kg Lebendgewicht. Preisdruck durch Importlämmer vor allem aus Nicht-EU-Ländern (Neuseeland, Südamerika). Erlöse aus Wolle und Lammfleisch reichen zur Existenzsicherung nicht aus. Deshalb staatliche Fördermaßnahmen dringend notwendig (Ausgleichszulage, FAKT-Programm, an Fläche gebundene Prämien). Stundenlohn eines Schäfers liegt einschließlich Förderung derzeit unter 6,50 €.

 

Landschaftspflege:

Gewinnt zunehmend an Bedeutung, entspricht agrarpolitisch angestrebter extensiver Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen. Beweidung mit Schafen ist wichtiger Beitrag zur Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft (Wacholderheiden, Mager- und Trockenrasen, Hanglagen). Über 60.000 ha werden in Baden-Württemberg kostengünstig, umweltfreundlich und energiesparend mit Schafen gepflegt und vor Verbuschung bewahrt, wobei der Hütehaltung ein hoher Stellenwert zukommt.

 

Zuchttierbestand:

Ca. 100 Zuchtbetriebe, 5.700 Herdbuchschafe, davon 2.400 Merinoland-, 2.200 Fleisch-, 1.000 Land- und 100 Milchschafe. Zur Zeit sind 28 verschiedene Rassen im Zuchtbuch des Landesschafzuchtverbandes eingetragen.

 

Schafzucht:

Die Zuchtarbeit ist auf die Verbesserung der Leistungsmerkmale Fleischleistung (Tageszunahme, Futterverwertung, Bemuskelung, Verfettungsgrad), Fruchtbarkeit (Anzahl geborener und aufgezogener Lämmer), Wollleistung, (Menge, Qualität der Wolle), äußere Erscheinung (Rahmen, Form) und Krankheitsresistenz der Tiere ausgerichtet. Landeseigene Prüfstation für Schafe in St. Johann, Kreis Reutlingen (Nachkommen- und Eigenleistungsprüfung).

 

''Schäfer'' als Ausbildungsberuf

Überbegriff ”Tierwirt”, 3-jährige Lehrzeit in Lehrbetrieb mit Möglichkeit der Meisterprüfung (Tierwirtschaftsmeister, Schwerpunkt Schafhaltung).

 

nach oben
Info
Landesschafzuchtverband
Baden-Württemberg e.V.

Heinrich-Baumann-Strasse 1 - 3
D - 70190 Stuttgart

Tel.: 0711 / 166 55 40
Fax : 0711 / 166 55 41

Bürozeiten:

Mo-Fr: 08:00-12:00 Uhr


Sonstiges

E-Mail senden
Administrator Login